Profile aus der Stadt Münster

 

Leonhard Ostendorf-Terfloth

Kleimannstrasse 2-3
48149 Münster
Tel.: 0251 – 298030

"Spott und Hohn, ich komme schon!" hätte Leonhard Ostendorf-Terfloth, kurz LOT, bereits bei seiner Ankunft in dieser Welt rufen können, doch am 3.11.1936 war der Schlingel Leonhard der Sprache noch nicht mächtig.
Das kam erst später und brachte seine superkatholischen Eltern, den Altphilologen Dr. Franz Ostendorf und seine Frau Maria, die hochwohlgeborene Tochter aus dem Hause Terfloth, dass man in Münster auch "die Zuckervilla" nennt, schier zum Verzweifeln.

"Ich war verdammt schwer erziehbar" grinst der in die Jahre gekommene Lausejunge und erzählt von der Vornehmheit seiner Mutter, der Tochter des Zuckerkönigs von Münster, wie sie vom Balkon der Zuckervilla aus, den armen Studenten Franz Ostendorf kennen lernte und sein Großvater, Gründer der heutigen Ratio GmbH, nur aufgrund der schlechten Zeiten in die unstandesgemäße Ehe mit dem späteren Oberstudienrat Dr. Ostendorf, einwilligt.

Maria Terfloth eines seiner zwölf Kinder, wurde vornehm von den Ursulinen in Seroul erzogen und wusste vornehmlich, wie man Austern knackt, bevor sie Unterricht in Pädagogik erhielt und somit so eine Art Kindergärtnerinnenausbildung genoß.

Eines ihrer Kinder nannte sie Leonhard, dessen "Unsinn" für Eltern, Lehrer und Pfarrer einfach "Zuviel des Guten" wurde; ein unbändiger kleiner Löwe, der nicht einmal davor halt machte, dem heiligen Aloisius in der Kirche sein Nachthemd anzuziehen. Als 1942 die Kreuzschule brannte und alle anderen den Tränen nahe waren, schrie der kleine Leonhard:
"Hurra, Hurra, die Schule brennt!"
"Die Schule war für mich das Schönste und das Schlimmste zugleich" meint LOT.
Nachdem der nicht zu zähmende Knirps von fast allen Schulen Münsters geflogen war, brachte sein Vater ihn in einem Internat in Fulda unter.
"Du machst dein Abitur! ... und wenn es in Kanada ist" waren des Vaters Worte und oh, Wunder, im Frühjahr 1955 hielt Leonhard Ostendorf Terfloth die Lizenz zum Studieren in seinen langen schlanken Händen.
Wenig später war er Germanistikstudent an der Westfälischen Wilhelms Universität zu Münster.
"Schon wieder so ein Korsett!" schüttelt sich der ältere Mann mit dem langen weißen Bart.
Wie gut, dass es Fritz und Erika Terfloth gab!

Tante Erika war Malerin und auch nicht gerade die gewünschte Gattin für einen "Terfloth".
Doch der Großvater hatte andere Probleme!
Nachdem er 1932 während der Weltwirtschaftskrise die Zuckervilla verkaufen musste, war er in erster Linie damit beschäftigt, seinen Betrieb zu retten. Da waren die künstlerischen Ambitionen eines seiner zahlreichen Enkel nicht von Belang.
Tante und Onkel unterstützten den Neffen in seinem Vorhaben Theaterschauspieler zu werden und machten sich stark für die Aufnahme ihres Neffen an der Hochschule für Musik und Theater in Hannover, wo Leonhard schließlich nach drei Semestern Germanistik die Aufnahmeprüfung bestand.
"Das war ein Kasernenbetrieb, da in Hannover" beschwert sich der rüstige Künstler noch heute.

Ein Jahr später wechselte er mit einem Zeugnis in der Hand an die Hochschule für Musik und Theater nach Frankfurt und da fand er genau das, was er sich vorgestellt hatte.
"Ich lernte viel und war doch frei! Ich konnte mich ausleben und meine eigenen Ideen einbringen. Es war einfach toll!" erinnert sich der ehemalige "Jugendliche Held."
"Bei einer Studioaufführung entdeckte mich ein Mitarbeiter des Theaters in Wiesbaden", berichtet Leonhard weiter.
Ich konnte einen vorzeitigen Abschluss machen und wurde in Wiesbaden als jugendlicher Held engagiert."
Dem viel versprechenden Anfang wurde allerdings kurze Zeit später ein jähes Ende gesetzt, als der jugendliche Held, gerade von der Spätvorstellung des Theaters kommend, von einem besoffenen Taxifahrer überfahren wurde, der auch noch Fahrerflucht beging.
Das war 1959.

Zwei Jahre Krankenhaus mit siebenundzwanzig Operationen an den Beinen und somit das Ende der jugendlichen Liebhaberei folgten. Mit fünfundzwanzig Jahren war Ostendorf ein humpelnder Darsteller, den als Liebhaber und Held niemand mehr gebrauchen konnte.
"Am Theater humpelt keiner, es sei denn in seiner Rolle", kommentiert Leonhard O.T. sein Schicksal.

Im Krankenhaus begann der Held mit dem Schreiben.
"Ich glaube, das hat mir das Leben gerettet," meint der Mann mit dem Bart, der ihm beim Fahrradfahren wie eine weiße Wolke hinterher flattert.
"Meine Gedichte, Geschichten und Lippenstiftsammlung," fügt der Charmeur, der niemals verheiratet war, dennoch Vater zweier Töchter geworden ist, noch hinzu.
"Es gab damals nur einen, der im Rollstuhl saß und der hieß Axel Ivers und war weltberühmt."
Nach seiner "Genesung so gut es ging", verbrachte LOT, wie der Schriftsteller sich selbst gerne nennt, noch zwei , drei Jahre als Regieassistent am Staatstheater Wiesbaden, was dem lernwilligen, begabten und gleichzeitig schon erfahrenen Schauspieler jedoch keine Befriedigung schaffen konnte. "Ich wollte meine eigene Regie", erzählt der eigenwillige Leonhard und schmiss lieber alles hin, bevor er in der zweiten Reihe stehen musste.

Er verschrieb sich der Welt seiner Worte, schrieb Geschichten, Gedichte und Theaterstücke u.a. das Einpersonenstück "Der Theaterkritiker" und den Dreiakter "Der Nobelpreis",wurde Mitglied im Verband deutscher Schriftsteller und hielt sich bis heute als Lebenskünstler satirisch gut über Wasser.

Literaturpreise und Lob aus der Öffentlichkeit kann der autonome Poet das sich sehr zurückzieht, wohl genießen. So errang er unter anderem den Satirepreis des WDR Landsstudios und besetzte schon zweimal den zweiten Platz beim Walter-Serner-Preis des Senders Freies Berlin. Er ist doch am meisten genießt er die täglichen Wunder und drückt sich darüber gleichwohl poetisch aus:
Zitat LOT:
"Wenn man am Abend nachdenkt, welchen Gefahren man den ganzen Tag entgangen ist, besteht der Rest nur aus Wundern....."

© by Sylvia ellis Kruck
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20.11.2017 20:11:00